
Nachdem der europäische Rat bereits im Juni 2025 und das EU Parlament im Oktober 2025 dem OSOA-(1S1A/one substance one assessment)-Verfahren zugestimmt haben, hat nun die EU Kommission die Legislativvorschläge angenommen und in weiterer Bearbeitung.
Es gab keinen Aufschrei gegen die OSOA-Pläne, die Tierversuche für kosmetische Stoffe nicht mehr ausschließen, sondern sogar zur Pflicht machen könnten. Daher kümmern wir uns nun auch um diese wichtige Thema, denn es bringt nichts,
tolle selbstgemachte, Label „ohne Tierversuche“
die auch noch gegen Gesetzgebung verstoßenden
in der Öffentlichkeit zu zeigen, aber tatenlos zuzusehen, wenn auch Produkte mit solchen Label zukünftig im Tierversuch getestete Stoffe beinhalten könnten.
Hier eine Übersicht, wie der Ansatz One substance – one assessment (OSOA / „Ein Stoff, eine Bewertung“) zusammen mit der Rolle des SCCS (wissenschaftlicher Ausschuss Verbrauchersicherheit) und Fragen rund um Tierversuche bewertet werden kann — mit Vorteile & Schwachpunkte.
Was ist „One substance – one assessment“ (1S1A/OSOA)
- Mit OSOA soll für jede chemische Substanz eine einheitliche, gemeinsame Bewertung gemacht werden — also nicht fragmentiert je nach Verwendungszweck oder Rechtsrahmen (Kosmetik, Pestizide, Spielzeug etc.), sondern eine zentrale Risiko- und Sicherheitsbewertung
- Ziel: mehr Kohärenz, Transparenz und Effizienz — die Bewertungen über Rechtsbereiche hinweg werden harmonisiert, Doppelarbeiten vermieden, Entscheidungen beschleunigt.
- Auch soll die gemeinsame Plattform Daten zu Gefahrenpotenzial, Umwelt- und Gesundheitsrisiken, physikalisch-chemischen Eigenschaften, Einsatz und Emissionen enthalten — zugänglich für Behörden und ggf. Industrie.
Vorteile von OSOA (mit SCCS-Beteiligung)
- Effizienz & Zeitersparnis: Eine einmalige, zentrale Bewertung verhindert redundante Gutachten bei unterschiedlichen Verwendungsarten derselben Substanz. Das spart Aufwand, Zeit und Kosten.
- Konsistenz & Verlässlichkeit: Einheitliche Kriterien und Datenbasis — Entscheidungen werden vergleichbar und nachvollziehbar statt je nach Rechtsrahmen unterschiedlich.
- Frühzeitiger Schutz von Umwelt & Gesundheit: Durch frühzeitige, robuste Bewertung kann das Entstehen neuer Risiken (z. B. durch chemikalienhaltige Verbraucherprodukte) früher erkannt und reguliert werden.
- Erleichterung für Behörden & Industrie: Reduziert Komplexität, schafft Überschaubarkeit — statt vieler paralleler Bewertungen nur eine einzige.
- Förderung wissenschaftlicher Transparenz und Austausch: Eine gemeinsame Plattform bündelt vorhandenes Wissen und erleichtert Zugang für Behörden, Forschung und Stakeholder.
Schwachpunkte / Herausforderungen — insbesondere mit Blick auf Tierversuche und Datenlage
- Obwohl der Ansatz auf einheitliche Bewertung zielt, besteht — je nach Substanz und Verwendungszweck — noch hoher Bedarf an toxikologischen Daten, insbesondere bei komplexen Wirkungen (Langzeitwirkungen, chronische Toxizität, Reproduktionstoxizität etc.). Für viele dieser Endpunkte existieren keine oder nur begrenzt validierte Alternativmethoden.
- Der Übergang zu alternativen Methoden (z. B. in-vitro, Rechnergestützt, Modellierung) ist oft langsam: Validierung dauert Jahre — und Behörden bzw. Ausschüsse sind mitunter konservativ in der Akzeptanz neuer Methoden.
- Für bestimmte kritische Endpunkte (z. B. chronische Toxizität, Krebs, Reproduktion, komplexe Stoffwechselwege, Langzeitwirkungen) fehlen oft hinreichend aussagekräftige alternativen Prüfmethoden — was die sichere Bewertung erschwert oder verzögert.
- Obwohl das Ziel Transparenz und Regulierungseffizienz ist, könnte bei mangelnder Datenlage oder unzureichenden Alternativen das Ergebnis sein, dass Stoffe länger unklar bewertet bleiben — oder auf Basis unvollständiger Daten eingeschätzt werden.
- Der Aufwand und die Komplexität der Stoffgruppen- oder Gruppenbewertung (z. B. ähnliche Substanzen, Gruppen von Chemikalien = Read acress) können hoch sein — ähnlich strukturierte Chemikalien können dennoch unterschiedlich wirken, und Gruppierungen bergen das Risiko von Fehlbewertungen.
Rolle von SCCS & Tierversuchsfrage — wie OSOA und SCCS mit Tierversuchen umgehen
- Das SCCS arbeitet abgestimmt auf die Ziele der KVO.
- SCCS ist zuständig für die Sicherheitsbewertung chemischer Stoffe, insbesondere im Bereich Verbraucherprodukte (z. B. Kosmetika), wenn Risiken für menschliche Gesundheit bestehen.
- Mit der neuesten (11.) Revision ihrer „Notes of Guidance“ akzeptiert SCCS verstärkt alternativmethodische Ansätze — sogenannte New Approach Methodologies (NAMs) sowie Verfahren gemäß den 3R-Prinzipien (Replacement, Reduction, Refinement). Damit soll möglichst auf Tierversuche verzichtet werden, wenn valide Alternativen vorhanden sind.
- Damit war das SCCS bisher ein wichtiger Fels im Brandung der Tierversuchs-Anwender.
- Gleichzeitig räumt SCCS ein, dass für viele toxikologische Endpunkte (z. B. chronische Toxizität, Wiederholungsdosen, Reproduktionstoxizität, Karzinogenität) derzeit keine voll validierten tierfreien Methoden existieren. In solchen Fällen bleibt die Einschätzung schwierig — was den Nutzen von OSOA insofern einschränkt, als dass bei fehlenden Daten Unsicherheiten bleiben.
- Der Ansatz von OSOA in Verbindung mit SCCS und NAMs bietet jedoch eine Möglichkeit, Tierversuche über die Zeit zu reduzieren — zumindest dort, wo Alternativen wissenschaftlich aussagekräftig sind — und sorgt dafür, dass Bewertungen transparenter und methodisch modernisiert werden.
- Daher setzt sich Cosmetic Business Alliance für den Erhalt des SCCS ein. Diese Aufgaben sollen nicht uneingeschränkt an die ECHA gehen, sondern von Stoff zu Stoff selektiv bewertet werden.
Einschätzung: Chancen & Grenzen
Der OSOA-Ansatz mit zentraler Bewertung durch SCCS (bzw. andere EU-Institutionen) bei gleichzeitiger Förderung von NAMs und Reduktion von Tierversuchen ist — theoretisch — ein großer Fortschritt: Er kann Fortschritt, Effizienz und Transparenz bringen und den ethisch besonders problematischen Einsatz von Tieren deutlich reduzieren. Gerade für Verbraucherprodukte und Chemikalien mit hohem Verwendungsumfang bietet er Potenzial, Risiken frühzeitig und kontrolliert zu erkennen.
Gleichzeitig bleibt die Realität: Für viele kritische toxikologische Endpunkte gibt es schlicht keine ausgereiften Alternativen — hier sind Tierversuche oder zumindest sehr konservative Bewertungen oft noch notwendig. Damit bleibt — zumindest mittelfristig — eine Lücke zwischen dem Ideal (vollständige tierversuchsfreie Bewertung) und dem derzeit Machbaren bestehen.
Sie können Ihre selbstgemachten, kritischen Label „ohne Tierversuche“, die juristisch nicht einwandfrei sind, gegen das kostenlose Zeichen“wir kämpfen gegen Tierversuche“ austauschen, wenn Sie sich hier als unser Partner/in anmelden.

